Wüchsen die Kinder fort
wie sie sich andeuten,
wir hätten lauter Genies.
Johann Wolfgang Goethe, 1812

Hochbegabung, Legasthenie und Dyskalkulie

In Hochbegabten sehen wir häufig außergewöhnlich talentierte Fachspezialisten, meist mit sozialen Defiziten und als gesellschaftliche Außenseiter, während wir Legastheniker und Dyskalkuliker als Menschen mit sprachlichen und mathematischen Schwächen wahrnehmen.
 
Beides ist – obgleich auch teilweise richtig – verkürzt und einseitig. Hochbegabte, Legastheniker und Dyskalkuliker zeichnen sich oft durch große Kreativität und Originalität im Denken aus, sie stellen Querverbindungen her, die von den meisten Menschen nicht gesehen werden. Hochbegabte sind nicht selten zugleich auch Legastheniker, wie man heute von Albert Einstein annimmt, dem genialen Physiker und Entdecker der Relativitätstheorie.

Unkonventionelles Denken wird in unserer Gesellschaft zunehmend wichtiger. Um die komplexen Probleme in allen Bereichen des Lebens zu lösen, werden Strategien von Querdenkern händeringend gebraucht.

Die Potentiale von Hochbegabten, Legasthenikern und Dyskalkulikern zu erkennen und zu fördern, haben wir zu unserer Aufgabe gemacht. Das bedeutet einerseits, das Umfeld von Hochbegabten (Elternhaus, Schule) zu sensibilisieren, andererseits das Selbstwertgefühl von Menschen mit besonderen Begabungen zu stärken, so dass am Ende eine win-win-Situation entsteht: Der Hochbegabte ist dann nicht mehr eine Bedrohung für die Gemeinschaft („Sonderling“, „Besserwisser“), sondern eine Bereicherung. Natürlich gehören zu unseren basics in der Förderung der Hochbegabten neben der Begleitung, der Potenzialentwicklung und der Integration auch die Vermittlung guter Lernstrategien.

Menschen mit einer Lese-Rechtschreibschwäche bzw. mit einer Rechenschwäche entwickeln häufig kreative Strategien, um ihre Defizite auszugleichen. Für Lehrkräfte und Mitschüler sind Kinder mit Legasthenie und Dyskalkulie gute „Prüfsteine“, die Praxistauglichkeit der Methoden für den Wissenstransfer lässt sich hier gut verifizieren. Was ein Kind mit Rechenschwäche nicht versteht, wird mit Sicherheit auch von mehreren anderen Kindern im Unterricht nicht verstanden.

Wir wollen Menschen mit Legasthenie und Dyskalkulie stärken. Natürlich gehören zu unseren basics auch die Förderung im Lesen, Schreiben und Rechnen.


Edith Maagh
Pädagogin, Diplomierte Beraterin für Hochbegabte, Organisations- und Personalentwicklerin

Renate Magnani
Lerntherapeutin, Diplomierte Trainerin für Legasthenie und Dyskalkulie